Heimweh bei Kindern – Tipps für Eltern

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Du möchtest gerne einmal als Mama oder Papa eine kurze Auszeit nehmen. Vielleicht hast Du geplant ein Wochenende weg zu fahren, einfach mal raus aus dem Alltag. Oder Dein Kind wird einen Kurzurlaub bei den Großeltern oder Freunden verbringen. Aber was tun, wenn das Heimweh bei Kindern zu groß wird?

Bei der Planung läuft alles super. Alle freuen sich enthusiastisch auf diese Zeit. Und dann, wenn die Zeit der Trennung näher rückt, tauchen die ersten Fragen auf. Vielleicht kommen auch Zweifel in Dir auf und Du fragst Dich:

Bin ich eine gute Mutter / ein guter Vater, wenn ich mein Kind weggebe? Darf ich es anderen zumuten, mein Kind zu betreuen? Was kann ich tun bei Heimweh bei Kindern? Nun, diese Fragen sind vollkommen normal.

Zweifel dürfen sein, bei Dir und bei Deinem Kind. Die Situation ist neu für Dich und Dein Kind. Du kannst Dich und die Betreuungspersonen vorbereiten, damit alles gut klappt.

Was Du vorbereitend tun kannst gegen Heimweh bei Kindern

Nehme die Sache erst und rede schon vorab mit Deinem Kind über die Zweifel und Ängste. Sprich Du, als Mama oder Papa ruhig mit Freunden oder einer vertrauten Person darüber. Somit kannst Du Dir vielleicht einige Sorgen und schlaflose Nächste ersparen!

Nun gut – die Kinder sind in ihrem Domizil angekommen und Du befindest Dich in Deiner wohlverdienten Auszeit. Hier ist am Anfang alles oftmals gut. Aber dann kommt die erste Nacht oder ein kleiner Streit gibt den Anlass dafür. Jetzt ist es plötzlich da, das Heimweh!

4 Tipps, die Du vorab beachten solltest

Spielsteine grün, rot, gelb
  • Im Allgemeinen gilt: je kleiner die Kinder, desto kürzer sollte der Aufenthalt sein. Bis zu einem Alter von ca. 10 Jahren sollte die Abwesenheit nur maximal eine Woche betragen. Größere Kinder bis 16 Jahren können bis zu zwei Wochen von zuhause fortbleiben. Aber Du kennst Dein Kind, beachte somit bitte immer, was Dein Kind braucht.
  • Wenn Du ein ängstliches Kind hast, plane eine nicht zu lange Zeitspanne ein. Habe, wenn möglich, einen Plan B im Gepäck (beispielsweise früher abholen ist möglich, verlängern eventuell auch).
  • Das Handy sollte prinzipiell nur zu gewissen Zeiten am Tag benutzt werden. Dadurch wird verhindert, dass die Kinder zu viel im Internet surfen, Nachrichten schreiben, etc. Informiere bitte die Eltern oder Betreuer über solche Vereinbarungen, damit sie diese kontrollieren können.
  • Sei für Dein Kind mindestens ein- bis zweimal während der Abwesenheit erreichbar. Das geht gut per Telefon, Videotelefonie und WhatsApp, usw. Dieses gilt vor allem dafür, wenn Dein Kind das möchte! Zur Not, falls es Dir schwerfällt, spreche zwischendurch mit den jeweiligen Betreuern und erkundige Dich, wie es Deinem Sprössling geht.
    Aber rufe bitte nicht täglich an, schicke WhatsApp-Nachrichten oder Bilder. Das kann zusätzlich zu Verwirrungen führen. Und dazu, dass Dein Kind sich ausgeschlossen fühlt. Und wichtig ist auch, dass die Zeit für Dich und Deinen Partner wichtig ist! Also bleibe standhaft und melde mache Dich rar mit dem kontaktieren. Ein weiterer Vorteil dafür ist, die Wiedersehensfreude wird riesengroß sein, wenn ihr euch wieder begegnet!

Wenn Dein Kind Angst hat

  • Wenn das Kind Angst hat, vor allem abends oder nachts, sorge vorher dafür, dass immer jemand in der Nähe ist. Oder Dein Kind sollte ohne große Probleme den Betreuer aufsuchen können – auch nachts! Dein Kind braucht Sicherheit, besonders, wenn Du nicht da bist.
  • Nimm dir genügend Zeit vorher, um über Ängste und Bedenken zu sprechen und mache Deinem Kind Mut. Erzähle ihm oder ihr, wie es Dir früher damit ergangen ist, was schön war und was es Tolles zu entdecken gibt. Und auch, dass er oder sie vielleicht mal Heimweh bekommen kann! Aber es ist nicht alleine. Erkläre ihm genau, was es tun kann, wenn es ängstlich ist.
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  • Gebe Deinem Kind ein Kuscheltier oder Spielzeug mit, was es an zuhause erinnert. Hierdurch fühlt es sich sicher und geborgen, falls die Angst hochkommt. Gut ist es auch, ein Foto der Eltern, der Bezugsperson oder auch des Haustieres mitzugeben. Aber keines nur auf dem Handy, sondern mache einen richtigen Ausdruck auf Papier.
  • Schenke doch Deinem Kind vor der Abfahrt ein kleines persönliches Geschenk, damit ein Teil von Dir immer anwesend ist. Oder Du leihst etwas ganz Persönliches aus bis zu Deiner Rückkehr (eine Kette, ein Stein, etc). Dieses Symbol ist sozusagen ein verbindendes Zeichen für eure Liebe und Beziehung.

Was Du als Betreuer noch tun kannst

  • Lasse den Kindern genügend Zeit bei der Eingewöhnung. Gib Deine Kinder nicht einfach ab, sondern kalkuliere genug Zeit ein, um am neuen Ort alles kennen zu lernen. Das Zimmer, das Haus und die Umgebung. Sprecht gemeinsam mit den Großeltern oder Betreuern, bevor ihr losfahrt. Das vermittelt ein sicheres Gefühl bei euch allen.
  • Als Betreuer schenke dem Kind Deine liebevolle Aufmerksamkeit. Sprich mit dem Kind über sein Heimweg und das, was es fühlt! Höre ihm oder ihr nicht nur zu, sondern überlege Dir kleine liebevolle Rituale, die nicht nur ein sicheres Gefühl geben, sondern auch das Vertrauen zu Dir fördern. Rituale können beispielsweise sein:

    1. abends und morgens in den Arm nehmen beim Guten Morgen oder Gute Nacht sagen
    2. eine Geschickte vorlesen oder hören
    3. ein kleines Licht brennen oder die Zimmertüre offenlassen

Frage dein Kind, was es sich wünscht

  • Um das Heimweh bei Kindern vorzubeugen sei kreativ und überlege einmal, was Dir selbst früher in solch einer Situation geholfen hat. Oder frage das Kind, was es sich wünscht.
  • Achte und schätze bitte gut die Grenzen der Kinder ein! Sei nicht zu vorsichtig oder sei aber auch nicht zu herausfordernd. Bitte kläre das gut vorher mit den Eltern ab. Hier gilt auch: Frage das Kind, was sie sich wünscht und probiere es aus.
  • Beachte und akzeptiere ein „nein“ von den Kindern. Überfordere die Kinder nicht! Ein „nein“ hat immer einen Grund!
  • Gebe dem Kind ruhig einige kleine Aufgaben zu erledigen – sei es Kleinigkeiten im Haushalt oder das Füttern der Tiere. Es fühlt sich dadurch gebraucht und lobe es bitte danach. Natürlich alles dementsprechend altersgemäß angepasst.
  • Regelmäßige Aufsteh- und Essenszeiten sind oftmals gut und wichtig. Einige Kinder wünschen sich eine Struktur, auch das verleiht ein sicheres Gefühl.
  • Lobe das Kind regelmäßig. Und sei es nur für Kleinigkeiten (zum Beispiel: Toll, dass Du so pünktlich zum Essen kommst…. oder …. Super, dass Du mir hilfst!) Das stärkt das Selbstvertrauen.

Beachte, was dein Kind möchte

  • Nein-Sagen ist erlaubt! Wenn das Kind verzweifelt ist, wird es das oftmals nicht zu geben. Erlaube ihm, einen Vorschlag ruhig abzulehnen. Rede direkt darüber und nimm den Grund dafür ernst.
  • Sorge dafür, dass an dem Ort oder in der Freizeit, Kinder im passenden Alter sind. Das ist oftmals ein Garant für ein gutes Gelingen!
  • Lasst den Kontakt zu den Eltern oder dem Elternteil zu, wenn das Kind darauf besteht – oftmals reicht es aus, kurz die Stimme am Telefon zu hören oder das Gesicht im Handy zu sehen. Bleibe liebevoll und geduldig. Du wirst dafür mit einem zufriedenen und glücklichen Kind belohnt!

Zum Thema „Heimweh“ wurde ich in einem kurzen Fernsehbeitrag vom 19.07.2017 aus der ZDF Kindersendung tivi „Logo“ interviewt. Dieser ist leider jetzt nicht mehr verfügbar.

Wenn Du Fragen oder Anmerkungen hast, melde Dich ruhig bei mir und schreibe mir eine Mail über mein Kontaktformular. Weitere Informationen kannst Du Dir auf der Seite Familienberatung oder Erziehungsberatung ansehen.